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Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V.

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Das Jugendzentrum St.Ingbert existiert seit 1976. Das erste Haus befand sich von 1976 – 1978 in der später abgerissenen Paul-Dohrmann Schule und zog dann  übergangsweise von 1978 – 1980  in die ehemalige Synagoge. Seit 1980 residiert das Juz in den denkmalgeschützten Räumen des ehemaligen Pfarrgassschulhauses. Seitdem fanden hier zahlreiche Veranstaltungen, Konzerte und Filmvorführungen statt. So hat es Bands wie die Goldenen Zitronen nach St.Ingbert verschlagen, ein Fun-Punkband – um nur eine zu nennen. Auch das internationale Jazzfestival St.Ingbert nahm hier Fahrt auf. Die ersten Spielorte des Festivals, das von Jörg Jacob and friends initiiert und organisiert wurde,  waren das St.Ingberter Jugendzentrum und das Café K.

Matthias Gaspers: Der Torf

„Matze“ Matthias Gaspers beschreibt in seiner Geschichte, was es mit Sinuskurven, Zitronen, Getuute und dem Torf im Juz St.ingbert in den 80er Jahren so auf sich hatte.

 

„Ordentlich lief wenig, schief ging vieles, man hätte an dem Durcheinander manchesmal auch verzweifeln können, aber an Ekstasen aller Art war ebenfalls kein Mangel.“ Stefan Ripplinger über seine Zeit im Juz St.Ingbert ab 1978.

Wolfgang Kraus erzählt die Geschichte der Kinowerkstatt im Juz St.Ingbert.

Helmut Bieg aus dem Juz IGB im Interview

Helmut – ehemals Vorsitzender von Juz-united, Vorsitzender  kommt ursprünglich aus St. Ingbert. Ein Interview aus der OJA 2005-1 beschreibt seine Sicht auf die Entwicklung im Juz St.Ingbert in den 2000ern. Hier wird es auszugsweise wiedergegeben. Helmut war seit seinem 16. Lebensjahr im Jugendhaus aktiv. In der Kleinstadt war für Jugendliche von jeher nicht viel geboten. Aber in den 90er Jahren schlossen dann auch noch die wenigen Konzertkneipen, die es gab.

„Das Jugendzentrum war dann der einzige Ort, an dem man noch irgendetwas Alternatives machen konnte. Und im Jugendzentrum gab es Konzerte, und vor allem gab es ein Internet-Café, das war damals ganz wichtig für mich, weil ich überhaupt kein Internet hatte.“

Am Anfang, sagt Helmut Bieg, habe er „alles nur konsumiert“: Im Erdgeschoss wird ein Café in Selbstverwaltung betrieben, es gibt einen Veranstaltungsraum (der inzwischen auch eine Skaterbahn beherbergt), im Kellergeschoss sind für Bands Proberäume vorhanden. Die Mädchen haben sich ihr eigenes Refugium geschaffen, und weil man im Saarland ist, heißt das „die Schneggeegge“. Seit 1978 beherbergt das ehemalige Schulhaus bereits ein kleines Kino, das Kulturarbeiter Wolfgang Kraus betreibt – in enger Anbindung an das 1980 eröffnete Jugendhaus – und wie er sagt, mit dem Vorteil, dass so auch Erwachsene den Weg in die Einrichtung finden und Vorurteile abbauen können. Wolfgang Kraus ist „die gute Seele“ des Hauses, Bindeglied zu Erwachsenen und Institutionen. Seit 1990 wird das Juz hauptamtlich begleitet, Herzstück ist aber nach wie vor der Jugendzentrumsrat und die wöchentliche Vollversammlung. Die Besucherschaft setzt sich zu zwei Dritteln aus RealschülerInnen und GymnasiastInnen zusammen, und eine antifaschistische Gruppe im Haus sorgt für genügend Furore, dass es hin und wieder zu Auseinandersetzungen mit rechten Gruppierungen kommt. Bei solchen Konflikten brauchen die Jugendlichen Hilfestellung, ansonsten aber ist das Juz ihr demokratisches Erfahrungsfeld und der Freiraum, den sie selbst gestalten. Diese Möglichkeit zum eigenverantwortlichen Handeln hat auch Helmut Bieg faszinier

„Für mich ging es mit dem Internetcafé in St.Ingbert los. Ich fand es super, dass es das gab. Ich bin eine Zeitlang hin, und irgendwann war mir zu oft geschlossen. Dann habe ich mich dafür angeboten, das auch mal selber aufzumachen, weil ich gedacht habe: Ich bin dann eh da, und dann können auch noch andere kommen! Das war so ein ganz praktisches Ding, und es hat mir einfach Spaß gemacht. Ich kann das gar nicht genau begründen, es war einfach eine schöne Freizeitbeschäftigung. Deshalb habe ich das auch unentgeltlich gemacht, weil es mir etwas gebracht hat.“ Danach half er auch bei der Organisation von
Parties und Konzerten und im Café, nahm teil an den Vollversammlungen und wurde nach der Schule schließlich der erste Zivildienstleistende im Jugendzentrum. Die Stelle war über den Verband saarländischer Jugendzentren verfügbar. „Ich habe vor allem das Internet-Café geleitet. Das wurde komplett renoviert. Es gab den Glücksfall, dass der Lions-Club gespendet hat

Ein Juz unter Denkmalschutz

Im Keller gibt es Proberäume für Bands, und der Sohn eines Mitglieds dieses Lions-Clubs war Gitarrist einer Band, die dort unten geprobt hat. Jedenfalls hat der Vater gedacht, man könnte das unterstützen, und dann wurde ein neues Internet-Café eingerichtet, so richtig professionell mit neuen Computern und neuer Ausstattung. Das wird seither von Zivildienstleistenden betreut. Das ist der Großteil der Arbeit. Der Rest ist eben Mädchen für alles, kleine Hausmeistertätigkeiten. Das habe ich also als Erster gemacht, und seither ist die Stelle immer wieder neu besetzt.“
Nach dem Zivildienst wurde Helmut Bieg 1. Vorsitzender vom Verein Jugendzentrum St. Ingbert. In dieser Zeit hatte er bereits öfter mit den Mitarbeitern von juz-united zu tun, und als er schließlich gefragt wurde, ob er nicht auf der Karriereleiter eine Stufe nach oben steigen wollte, fand er das „prima“: „Ich habe dann im JUZ St. Ingbert aufgehört und bin am 10.12. 2002 in der Mitgliederversammlung des Verbandes zum 1.Vorsitzenden gewählt worden.

„Ich habe vieles gelernt, wie Dinge laufen, wie Prozesse ablaufen. Die ganze
Zusammenarbeit mit Politikern beispielsweise war desillusionierend, aber im positiven Sinn. Man bekommt eine gewisse Menschenkenntnis. Ich hatte über die Jahre viel mit Verantwortlichen zu tun. Man ist dann nicht so unvorbereitet, man ist nicht mehr vollkommen überrascht, dass es Klüngelei gibt, dass Menschen einem Dinge sagen und hinter deinem Rücken etwas ganz anderes tun. Insgesamt habe ich einfach ein bisschen leben gelernt, unabhängig vom persönlichen Leben, sondern im öffentlichen Leben, das man später führen muss. Und natürlich, dass man etwas auf die Beine stellen kann, dass das funktioniert. 

Das habe ich mitgenommen. Dass es nicht so schwer ist, wie man am Anfang denkt. Dass man lernt, dass tatsächlich Dinge gehen, wenn man sich dafür einsetzt“.

Das erste Juz in der Paul-Dohrmann Schule kurz vor dem Abriss

Das zweite Jugendzentrum 78 - 80 in der ehemaligen Synagoge
Die Kinowerkstatt gibt es seit 1978

Legendäre Aktion des Juz nach der Kündigung der Juz-Räume 2008

2008 kündigte die Stadt dem Juz den Nutzungsvertrag. Die angebotenen Alternativräume konnten nicht überzeugen. Also machte man sich auf die Suche nach geeigneten Räumen – und fand sie im Rathaus.

Eine schöne Präsentation von Wolfgang Kraus und der Kinowerkstatt im Juz St.Ingbert.