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Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V.

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Heiße Phase und kalte Zeiten

Die Entwicklung des Verbandes in den 80er Jahren war von einigen Hochs und Tiefs durchdrungen. Große Diskussionen und gewandelte Positionen gab es in Bezug auf den Einsatz von SozialarbeiterInnen in Jugendzentren. Wie sich diese Wandlung vollzog könnt ihr hier nachlesen. 

Auch dass dann eine Phase des Stillstands die Arbeit im Verband lähmte und wie diese wieder überwunden werden konnte, ist in diesen Jahren sehr bestimmend. Daher hier zunächst der zweite Teil des Artikels aus den NACHRICHTEN zu der Entwicklung des Verbandes Anfang der 80er Jahre im Original. Die Zeit bis 1984 wird anschaulich abgebildet. Es folgt der Artikel „Zirkuswagen unterwegs“, der sich der zweiten Hälfte der 80er widmet. Diese ist geprägt von Konzeptentwicklung, Antragstellung, Konfliktlösungsversuchen und kreativem Durchhalten einer kleinen Crew, die schließlich das Zirkuswagenprojekt auf den Weg bringt. Dies sollte unter dem Motto „Macht die Provinz bunt und lebendig“ (Nachfolgeprojekt von „Kultur in die Provinz“) die Verbindung zwischen Juzen und Verband wieder stärken. 

Quo vadis, VSJS? - aus den VSJS-Nachrichten

Im VSJS wurden die Erfahrungen vom Einsatz von Sozialarbeitern in selbstverwalteten Jugendzentren verbunden mit dem Aufbau von Kreistreffen. Wenn ein Sozialarbeiter in einem einzigen Juz zu viel Einfluß erhielt und den Juz-Aktiven Verantwortung abnahm, und wenn wir vom VSJS das notwendige Beratungsangebot für Jugendzentren nicht nur ehrenamtlich bewältigen konnten, so könnte dies doch vielleicht ein Jugendberater – angestellt für mehrere Jugendzentren – leisten. Statt in Jugendzentren zu arbeiten, könnte ein solcher Jugendberater doch für Jugendzentren arbeiten, nur dann kommen, wenn er gebraucht wird, jedoch keine Verantwortung im Juz übernehmen.

1980 wurden wir vom Jugendwohlfahrtsausschuss im Kreis Merzig-Wadern eingeladen, um uns vorzustellen. Den werten Greisen (zumindest aus der Sicht eines Jugendlichen) konnten wir – bis heute einmalig im Saarland – direkt auf Fragen und Meinungen antworten. Einmalig im Saarland war auch die Finanzierung von Jugendbetreuern im Kreis – nämlich zu 100%. Damit wurde auch der Sozialarbeiter im Juz Merzig gewährleistet, auf den die Jugendlichen jedoch seit einiger Zeit freiwillig verzichteten. Diese Stelle bot sich nun an, sie zu einem Jugendberater für alle Jugendzentren im Kreis umzufunktionieren. Zuvor gab es jedoch ein erstes Hindernis: die Bezuschussung von 100% wurde auf 75% reduziert: Die drei Stellen für kirchliche Dekanatsjugendpfleger wurden auf vier erhöht, sodass sich am Zuschuss für die Kirche nichts änderte, wohl aber für uns.

Hier sollte uns aber die positive Einstellung des Jugendamtes zu unserem Vorhaben sowie die Mithilfe des DPWV zugutekommen. Die Diskussion um Sozialarbeiter und Selbstverwaltung wollten wir auch mit im Saarland tätigen Betreuern – haupt- und ehrenamtlichen – gemeinsam führen. Vor allem waren im Raum Saarbrücken Sozialarbeiter angestellt, was diesen Versuch gleichzeitig scheitern ließ. Diese Jugendzentren waren allesamt kommunalisiert und die Mitarbeiter hatten schon ihre eigene Mitarbeiterbesprechung – darüber hinaus lief nichts.

Es war immer noch Aufschwung-Zeit beim VSJS. Wir zogen in ein größeres Büro im 1.Stock. Immer mehr Ordner, Papiertürme, Materialien und nicht zuletzt auch Personal führten zum 2. Umzug im darauffolgenden Jahr – immer im selben Haus versteht sich.

Wir wurden Mitglied bei Netzwerk Saar, dessen Aufgabe vor allem darin bestand, „alternativen“ Einrichtungen rückzahlbare Zuschüsse für deren Projekte zu stellen oder bei Finanzschwierigkeiten zur Seite zu stehen – so auch Jugendzentren. Für uns ein „Teilersatz“ für den nicht weiterverfolgten Juz-Hilfe-Fond. Vor allem unterstrichen wir damit aber unsere Nähe zum sog. alternativen Spektrum. Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit gelang es unserem Pressereferenten Manfred Vormelker (St.Ingbert), einen Kurzfilm über die saarländischen Jugendzentren und den VSJS vom Saarländischen Rundfunk drehen zu lassen.

Bei den Freizeiten gings wieder in die Schweiz, nach Berlin, 2 Wochen nach Holland, an Pfingsten zum Anti-AKW-Camp nach Remerschen und dann auch zum ersten Mal in die DDR. Mit Hilfe der SDAJ veranstalteten wir eine Bildungsreise für 40 Jugendliche nach Cottbus. Bevor die Plakate in den Jugendzentren ankamen, war die Sache schon voll belegt, so daß wir manchen Interessierten absagen mussten. 

Neben dem guten Kontakt zum Kreisjugendamt Merzig-Wadern wollte 1981 auch der neue Landesjugendamtsleiter Dr. Urbach die Saarländische Juz-Bewegung kennenlernen. An drei Tagen fuhren wir gemeinsam durch sieben Jugendzentren, die die unterschiedlichen Organisationsformen deutlich machen sollten. Die verblüffendste Begegnung war dabei wohl die im Jugendzentrum Bexbach, wo wir von einer Reihe von Verwaltungsmenschen freundlich empfangen wurden – die Jugendlichen hatten nichts zu sagen. Dr. Urbach nahm danach auch an einer PBW-Fachtagung zu Jugendzentrumsproblemen teil. (PBW: Paritätisches Bildungswerk/ Anm. d.Red.)

Es lief im VSJS noch recht gut bis 1982. Dann kam die Wende (also schon vor der Bundestagswahl 1983)!. Die Bußgeldzuweisungen blieben schlagartig aus, die steigenden Benzinpreise erhöhten drastisch unsere Fahrtkosten, die zusätzlichen Schwierigkeiten bei Anträgen für Seminare und Freizeiten zwangen uns zum Ausgabenstopp.

Mehrere Treffen des VSJS-Vorstandes hatten nur die Finanzmisere zum Gegenstand. Die zahlreichen Juz-Kontakte vergangener Jahre gingen dramatisch zurück. Wir beschäftigten uns mehr mit VSJS-internen Organisationsproblemen. Neben den mittlerweile ‚etablierten‘ Aktivitäten des VSJS wurden zwei weitere Vorhaben angegangen: Die Bildung eines Arbeitskreises „Kultur in die Provinz“ und die Schaffung einer hauptamtlichen Stelle im Kreis Merzig-Wadern für einen Juz-Berater. Im Kreis Merzig-Wadern bestand die Möglichkeit, 75 % zu den Gehaltskosten eines Jugendbetreuers zu bekommen. In Absprache mit dem Kreisjugendamt wurde von diesem der Versuch unternommen, die restlichen 25 % über die einzelnen Gemeinden zu finanzieren – eine Hickhackprozedur, die zwar 1 ½ Jahre dauerte, letztlich aber zum Erfolg führte.

Der Arbeitskreis „Kultur in die Provinz“ kam durch Initiative einiger Kulturschaffender in Saarbrücken, die kaum Auftritte auf dem Land bekamen, und dem VSJS zustande. Um dieser Arbeit dauerhaften Rückhalt zu geben, griffen wir erneut zur Möglichkeit eines ABM-Antrages. Zumal das Arbeitsamt Saarbrücken wieder neue Mittel erhalten hatte und die befreundete Organisation auf Anhieb drei Stellen genehmigt bekam. In der Hoffnung, dass zumindest einer davon durchkommt, stellten wir auch drei Anträge.

Der beantragte Bildungsreferent und der Informationsreferent wurden uns nicht genehmigt, dafür aber der Kulturreferent. Ab 1.1.83 konnten wir Sigi Becker, selbst ein Kulturtreibender, für diesen neuen Arbeitsbereich einstellen. Über ein halbes Jahr später konnten wir zum 1.8.83 den Jugendberater für den Kreis Merzig-Wadern, Rudi Barth, einstellen. Da wir beide Hauptamtler gesondert finanzieren lassen konnten, betrafen sie nicht direkt unsere „Haushaltsmisere“, wenn da nicht noch die Nebenkosten bzw. Sachkosten gewesen wären.

Um die Finanzen wieder klar zu kriegen, widmete sich unser ZDL Peter Lauer voll und ganz den organisatorischen Notwendigkeiten des Verbandes und übernahm nach dazu nach Ausscheiden des Finanzreferenten die Hauptlast der Kassenführung.

Nach all diesen internen VSJS-Geschichten standen wir wieder vor der Notwendigkeit, dem Kontakt zu den Jugendzentren nachzurennen. Unser Arbeitsschwerpunkt lag daher in der Folge wieder bei Juz-Besuchen, VSJS-Selbstdarstellung, also der verbandsinternen Beratungs- und Öffentlichkeitsarbeit.

Dabei lag unser  Augenmerk auf einem für uns wichtigen Ereignis: am 4. Febr. 1984 sollten VSJS-Vorstandswahlen stattfinden, wobei der geschäftsführende Vorstand voll ersetzt werden sollte.

Zirkuswagen unterwegs

Das Zirkuswagenprojekt beschreibt eine Übergangsphase. Eigentlich wurde daraus so etwas wie eine Rettung des Verbandes und der Juz-Landschaft, die sich beide in Auflösung befanden, wie zuvor ausführlich beschrieben wurde. 

Totgesagte leben länger?

Trotz aller Schwierigkeiten wurde der VSJS von einigen Engagierten weiter aufrechterhalten. Und es fanden sich auch wieder neugierige Juzler, die unbedingt in die Verbandsarbeit einsteigen wollten und dies auch taten.  Nach längerem Vorlauf mit Konzeptentwicklung etc.  begann zudem 1988 das Projekt „Macht die Provinz bunt und lebendig“. Was zwischen 1984 und 1988 noch alles gelaufen ist: zum Beispiel u.a. die Freizeiten nach Selena, Italien und Aveiro, Portugal sowie der Umzug in die Mainzerstraße. 

Unter dem Motto „Zirkuswagen unterwegs“ wurde das Projekt umgesetzt und schaffte es, die Verbindung zu den Jugendzentren wieder zu stärken. 

Zirkuswagen
Das nennt man heute Upcycling - damals Müllworkshop

Dieses Modellprojekt der außerschulischen Jugendarbeit – der Zirkuswagen unterwegs –  wurde vom Sozialministerium des Saarlandes  und hatte zum Ziel, selbstorganisierte Aktivitäten der saarländischen Jugend zu unterstützen und Alternativen zu einem rein konsumorientierten Freizeitverhalten gemeinsam mit den Jugendlichen entwickeln. Auch das Arbeitsamt förderte mit in Form von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen: (ABM) – Stellen wurden genehmigt und der sehr hilfsbereiten Mitarbeiterin im Arbeitsamt Saarbrücken sagen wir hier noch im Nachhinein ein Danke vielmals.

Der Zirkuswagen diente nach dem Auslaufen der Modellprojektförderung weiterhin als mobiles JUZ und wurde von vielen Juz-Inititiativen wie z.B. auch Blieskastel oder Eppelborn ausgeliehen. Irgendwann wurde er leider angezündet. Nie aufgeklärt…

Alles fing damit an, dass Mitte der 80er Jahre im VSJS die Erkenntnis, den Kontakt zu den Jugendzentren mehr und mehr zu verlieren, unaufhaltsam ins Bewusstsein der einzelnen Aktiven drang. Es entwickelte sich eine intensive Diskussion über diese kritische Entwicklung.  Der VSJS war quasi auf der Suche nach seiner Basis. Wolle beschreibt es in den „Nachrichten“ folgendermaßen: „Ein erster Versuch, die Situation zu verbessern, war die Planung einer VSJS – Rundreise, d.h. es wurde geplant jede Woche in ein anderes Juz zu fahren, „zu sproche“, Verbindungen zu knüpfen, zu erfahren, was los ist und was so geplant wird“. Diese Rundreisen waren in der Tat sehr erfolgreich…Was blieb, war die Erkenntnis, dass sowas unbedingt nochmal versucht werden müsste. Nur professioneller und durchdachter sollte es sein. Die Bauwagenidee war geboren!. Mit dem Bauwagen sollten (ähnlich wie mit der Rundreise) Jugendzentren für eine gewisse Zeit besucht werden (im Gegensatz zu den Tagestouren). Damit sollte der lange bürokratische Weg über das VSJS-Zentrum aufgehoben werden. Im Bild das VSJS-Büro mit einigen Aktiven auf der Suche nach der Basis

Es wurde also ein Antrag auf Modellprojektförderung gestellt und unerwartet auch genehmigt. Vorheriges Projekt war der „Kulturbasaar“ unter dem Motto „Kultur in die Provinz“. Dies wurde erfolgreich durchgeführt und ein Anschluss an diese Idee war nur naheliegend. Unter dem Motto „Macht die Provinz bunt und lebendig“ legten dann einige Unerschrockene los. Unerschrocken oder eben nur unwissend, was da auf sie zukommen sollte. Aber in der VISION liegt die Kraft :-). 

Das VSJS-Büro Ende der 80er in der Mainzerstraße

Der inhaltliche Schwerpunkt lag 1988 auf einer Spurensicherung zum Thema „Nationalsozialismus im Saarland“, die damals zusammen mit Georg Vogel vom BDKJ Illingen durchgeführt wurde. 1989 zog der Zirkuswagen durch etliche Dörfer des Bliesgaus und bot Konzerte, Open Air Kino, Clownerie, Videoworkshops (ein sehr lustiger Krimi entstand dabei) Theater und mehr zum Mitmachen an. Das Projekt ließ sich gut an, die Jugendzentren machten mit, alle hatten Spaß und es ging wieder vorwärts. Bis 1992 war der Zirkuswagen unterwegs. Dann rollte er als Pop-up Juz weiter durchs Saarland. SB

Juz oder Juze nennen heute die Jugendichen in Illingen oder Dillingen, in Dudweiler oder Ludweiler den Ort, das Haus, den Bereich, wo sie ihr eigener Herr sind.
Manch bravem Bürger sind diese Orte immer noch nicht geheuer, diese — wie sie der Anwohner oder der zuständige Kommunalpolitiker auch heute mitunter noch nennt — „Haschbuden”, „Randalierschuppen” oder „Zentren der Erregung öffentlichen Ärgernisses”.

Hier in Steinberg wurde wahrscheinlich sehr viel gegrübelt über die Finanzen
MV 1981 im Juz Oberthal-Gronig - gudd was los
VSJS Büro in Malstatt - Ludwigstraße zu Beginn der 80er
Umzug in den Feuerdrachen 1985
VSJS_Büro_Mainzerstraße zum Ende der 80er
Das Zirkuswagenprojekt prägte die schwierige Übergangsphase von den 80ern in die 90er