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Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V.

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 Die Entwicklung des Jugendzentrums Open-Haus zum AJZ Homburg ist spannend und bringt zwei sehr unterschiedliche Jugendzentren hervor. „Der Ruf der Freiheit und der Reiz des Verbotenen“ ist auch im Open Haus schon spürbar. Doch die Zeiten sind andere. 

AJZ Homburg - Bewegte Geschichte zwischen Punk und Politik

Es war die große Zeit der Jugendzentrumsbewegung von der anno 1972 auch Jugendliche in der beschaulichen Kreis- und Universitätsstadt Homburg infiziert wurden. Also wurde ganz revolutionär ein Verein gegründet der sich noch recht hippiemäßig „Open-Haus“ nannte, um ein selbstverwaltetes Juz zu realisieren. 1973 konnte dann in der noch von Adolf höchstselbst gegründeten „Birkensiedlung“ ein Haus bezogen werden, das jedoch von allen Beteiligten mangels vernünftiger Alternative eher als Übergangslösung gesehen wurde. Über zehn Jahre hielt das Provisorium – und es gab jede Menge Stress in dieser Zeit. Neben Konflikten mit Politik und Nachbarn gab es ständig Auseinandersetzungen um das Konzept Selbstverwaltung, um Sozialarbeiter und Geld.

Als 1979 die ersten Punks auftauchten war der soziale Friede endgültig zerstört. Bands wurden gegründet und riefen mit ihren Proberaum- und Konzertaktivitäten die Nachbarschaft auf den Plan. Es gab legendäre Konzerte mit bekannteren Bands samt Polizeiauftritt mit Maschinenpistolen im Anschlag und manche behaupten, dies sei die Geburtstätte der Punk-Szene und später der sich gerade bildenden Hardcorebewegung im südwestdeutschen Raum gewesen.

Mitte der 80er Jahre zogen etliche der Aktiven weg und hinterließen ein Vakuum welches zusammen mit Angriffen von Stadt und immer öfter der örtlichen Hooliganszene ursächlich für die Schließung des Open-Haus in der Birkensiedlung war. Anfang 85 gab es ein neues Gebäude in der Eisenbahnstraße, in der Nähe des Bahnhofs. Doch auch dieses Gebäude war nicht mehr als ein Provisorium und fiel der Abrissbirne zum Opfer.

Ab Sommer 1988 residierte das Juz im ehemaligen BÄKO-Gebäude am Güterbahnhof. Die äußeren Bedingungen waren nun zwar konzerttauglich, aber das Gebäude versprühte aufgrund der maroden Bausubstanz doch einen leichten Ghetto-Charme. Die Punk- und Hardcorekonzerte gingen auch hier munter weiter und es entwickelte sich eine Jugend(sub)kulturszene, die neben dem kulturellen Engagement auch durch politische Aktionen auf sich aufmerksam machte. Neonazistische Übergriffe auf das Juz, die politischen Gegenreaktionen und die mangelnde Toleranz seitens der städtischen Verantwortlichen führten zu einem Konflikt, der 1993 in der Kündigung des Gebäudes samt Räumungsklage gipfelte. Es folgten Demonstrationen, Besetzungen von Stadtratssitzungen und weitere Aktionen die den Politikern der Stadt zumindest zeigten, dass sich hier eine lebendige Juzbelegschaft nicht einfach aus ihrem Gebäude befördern ließ. Es wurde über ein neues Konzept verhandelt, und parallel schon mal von der Stadt ein Sozialarbeiter ins Juz gesteckt, der sein Auto am ersten Arbeitstag vorm Juz mit zerstochenen Reifen wiederfand. Die Auseinandersetzung endete nach langem hin und her mit einem zwischenzeitlichen Heimsieg des Jugendzentrums. Dies auch deshalb, weil die Lokalpolitiker, die sich die Zerschlagung des Juz zur Herzenssache gemacht hatten, irgendwann demokratisch entsorgt wurden. Aber auch die JuzlerInnen mussten Besserung geloben. Und so ging es denn weiter wie gehabt.

Punk- und Hardcorekonzerte, uringeflutete Toiletten, Stress mit der Politik, Naziübergriffe und Gerüchte um den Verkauf des Gebäudes führten in dieser Phase – es war 2011 – immer zu einer Jugendarbeit am Rande des Nervenzusammenbruchs. TK

Und hier ein Video vom AJZ 2005