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Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V.

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- Kampf für ein Jugendzentrum in Selbstverwaltung

So lautete eine der Forderungen, aufgeschrieben in einem Konzeptpapier aus dem Jugendzentrum Eschberg 1973. Wir dokumentieren hier die betreffenden Textpassagen, weil sie exemplarisch stehen können für viele Konzepte, die damals entstanden.

  1. Zur Situation der Jugendlichen

Die meisten Jugendlichen sind Lehrlinge und Schüler, für ihren Arbeitstag bedeutet das Anpassung an die vorgegebenen technischen und soziologischen Arbeitsbedingungen, Eingliederung in eine scheinbar unveränderliche Betriebshierarchie, Unterordnung unter die Autorität anderer. Arbeit bedeutet Arbeit gegen Lohn, Abhängigkeit von dem, der den Lohn zahlt, der bestimmt, was gemacht wird, Arbeitstag – und das gilt auch für die Schüler – bedeutet dauernder Verschleiss, Arbeit ist lediglich die Sicherung des Lebensunterhaltes.
Schule ist eine Vorstufe, die die Aufgabe hat, die Arbeitsfähigkeit zu erhöhen, dass sie später teurer verkauft werden kann. Neben der Arbeitszeit steht die Freizeit. Die Freizeit dient der Erholung, in ihr soll die alte Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt werden.
Doch die kapitalistische Wirtschaft hat in ihrer Profitgier diese Bedürfnisse in einer gross angelegten Freizeitindustrie aufgegriffen und sie ihrem Profitinteresse untergeordnet, Freizeit heute besteht im wesentlichen aus Konsum.
Durch die Arbeitssituation werden Fähigkeiten wie Kreativität, Eigeninitiative und Selbständigkeit unterdrückt, das konsumorientierte Freizeitangebot unterdrückt sie weiter.

MAN MUSS IN DER ARBEIT FÜR EIN JUGENDZENTRUM VON DER ERKENNTNIS
AUSGEHEN, DASS DIE TÄTIGKEITEN DER FREIZEIT ÜBER DIE ARBEIT
GEPRÄGT SIND, DASS PROBLEME DER FREIZEIT IMMER AUCH PROBLEME
DER ARBEIT SIND

Die einzige Alternative für Jugendliche zu dem konsumorientierten Freizeitangebot liegt bis jetzt in Einrichtungen, die ihr Angebot nicht an den tatsächlichen Bedürfnissen der Jugendlichen orientieren, sondern an überholten Erziehungsvorstellungen. Die leerstehenden Freizeiteinrichtungen mit Bastelonkel sprechen für sich.

Freizeiteinrichtungen, in denen man sich erneut wieder unterordnen muss, gehen sowohl an den Bedürfnissen wie an der Lernfähigkeit vorbei, Zudem sind diese Einrichtungen von einer pädagogischen und politischen Tradition belastet, die sie funktionsunfähig macht, Sie sind nämlich nach den Krieg als Einrichtungen der herrschenden Organisationen entstanden, die den gefährdeten Jugendlichen von der Straße holen sollte und das beste Mittel gegen Gefährdung ist damals wie heute die Moral. Diese Einstellung zur Jugendarbeit hat sich bis heute fortgegetzt und beginnt sich nur langsam zu ändern. Einschneidendes Erlebnis für die Jugendlichen ist die Diskrepanz zwischen realer Demokratie und den Behauptungen über die Demokratie. 

Die Demokratie ist sowohl für Schüler als auch für Lehrlinge eine Leerformel – einerseits wird die „Erziehung zum kritischen Staatsbürger“ gefordert, andererseits gibt es gerade für Jugendliche keine Möglichkeit, Kritik in aktives Handeln umzusetzen. Wo bleibt aber der emanzipatorische Charakter der Erziehung, wenn den Jugendlichen nicht gestattet wird, gewonnene Einsichten und Vorstellungen zu verwirklichen und an der Realität zu erproben

DEMOKRATIE LERNT MAN, WENN MAN SIE BETREIBT, NICHT WENN NUR
DAVON BERICHTET WIRD.

Die Forderung nach einen JZ in Selbstverwaltung resultiert aus dem Widerspruch zwischen dem, was Jugendlichen an Demokratieverständnis beigebracht wird und dem, was täglich passiert. Mit den JZ soll ein Feld aktiven demokratischen Handelns entstehen, das jedoch den Zusammenhang zu einer weniger demokratischen Realität nie verliert.
Gemäss den Profitinteressen ist auch der Eschberg nur mit einträglichen Bauten ausgestattet worden – Einrichtungen für Jugendliche gibt es nicht, das JZ wäre das erste. Diese Situation hat zu einer extremen Isolation der Jugendlichen auf den Eschberg geführt. Treffpunkte sind oft nur der Arbeitsplatz und die Schule, eventuell trifft man sich noch in einer der Kneipen oder hält sich am „Heizwerk“ auf. Erst durch das JZ ist die Möglichkeit eines gemeinsamen Treffpunktes gegeben – dazu noch brauchen wir die SOLIDARITÄT aller Jugendlichen auf dem Eschberg, kommt schon jetzt zu uns und kämpft mit uns gemeinsam für ein JZ in Selbstverwaltung.

Deshalb:
GEGEN DIE VERPLANUNG UNSERER FREIZEIT FÜR PROFITINTERESSEN! |
GEGEN DIE AUSBEUTUNG IN DISKOTHEKEN UND NEPPLOKALEN !
KAMPF UM MEHR DEMOKRATIE – KAMPF FÜR EIN JUGENDZENTRUM IN
SELBSTVERWALTUNG

2. Selbstverwaltung als unverzichtbare Forderung

Um die Möglichkeit zu Schaffen, aktiv und eigenverantwortlich seine Freizeit zu gestalten, ist neben der räumlichen Frage auch die Frage der Organisation zu klären.
Demokratie ist nur dann möglich, wenn sie real ist, das heißt es ist unsinnig mit einer Scheindemokratie den Jugendlichen etwas vorzugaukeln – es gibt nur die Alternative Selbstverwaltung oder Heimleitung.
Der Kampf für ein Jugendzentrum ist in die gesellschaftliche Gesamtheit eingeordnet immer ein Kampf um mehr Demokratie. Jedoch ist noch eines klarzustellen: der Kampf um mehr Demokratie ist eine Forderung, die alle Lebensbereiche umfasst. Es ist nicht so, dass wir uns durch einen kleinen demokratischen Freiraum, durch demokratische Sandkastenspiele abspeisen lassen, es ist auch nicht so, dass so ein JZ einen Fluchtpunkt vor der Realität darstellt, sondern es ist als Platz der Solidarität ein Ausgangspunkt für die Bewältigung der Realität und für eine solidarische Interessenvertretung.
Die Schaffung der Solidarität unter allen Jugendlichen ist notwendige Voraussetzung für gemeinsames Handeln. Diese Solidarität muss erst geschaffen werden, wenn jedoch kein Platz da ist, wo man sich trifft, wo man das machen kann, was einem Spass macht, dann ist auch keines Solidarität möglich, ausgenommen der Solidarität für den Kampf um diesen Platz.

Deshalb:
GEGEN DEMOKRATISCHE SANDKASTENSPIELE UND AUTORITÄRE UNTERDRÜCKUNG!
GEGEN ISOLATION UND PROFITINTERESSEN !
FÜR SOLIDARITÄT UND SELBSTVERWALTUNG !