KLA-DA-RA-DATSCH, Knutschmarathon und Partys seit 1972
Der Jugendclub Ormesheim ist seit 1972 eine Bastion, die in die gesamte Region ausstrahlt. Die unzähligen Partys, Kerwediscos und Aktionen sind legendär.
Das Gründungs- und Ehrenmitglied des Jugendclubs, Reiner Pirrung, gewährt uns einen tiefen Einblick in die Gründungsgeschichte des Clubs Anfang der 70er Jahre. Die Rede zum 40jährigen Bestehen lässt diese Zeit nochmal Revue passieren. Dabei kommen einige kuriose Aktionen ans Tageslicht, z.B. das Marathonknutschen und Kuhwettmelken.
Reiner Pirrung hat anlässlich des 50jährigen Jubiläums des Clubs die Geschichte von der Gründung bis 1982 recherchiert und arbeitet an einem Jubiläumsband, der 2024 erscheinen soll. Demnächst erfahrt ihr mehr.
Festrede (Auszug) anlässlich des 40-jährigen Jubiläums des Jugendclubs Ormesheim am 26. Mai 2012 von Reiner Pirrung, Gründungs- und Ehrenmitglied
Liebe Jugendclubler,
liebe Freunde und Gäste des Ormesheimer Jugendclubs,
1972 hätten wir als Gründer nicht davon zu träumen gewagt, dass wir mit euch heute feiern können, denn wir lebten in allererster Linie den Moment. Wir waren Jugendliche zwischen 14 und 25 und wollten uns und die Welt ausprobieren. Jetzt und sofort! Ein Teil von uns – auch die mit der guten Idee zu einem zentralen Jugendtreffpunkt – waren im wahrsten Sinne des Wortes nicht organisiert, der andere Teil kam aus der kirchlichen
Jugendorganisation CAJ – Christliche Arbeiterjugend. Zusammen waren wir eine erkleckliche Zahl von um die 20 jungen Leuten mit einem klaren Ziel: Wir wollen etwas bewegen und brauchen dazu einen eigenen Treffpunkt.
Es war insgesamt die Zeit des Umbruchs, wir waren – wenn man so will – die Ausläufer oder Nachfolger der 68er-Generation. Wir trugen Fransenboots aus Wildleder, hatten die Haare lang und länger, dafür wurden die Mädchenröcke kürzer. Wir kostümierten uns mit einer Einheitskleidung namens Bundeswehrparka, obwohl gerade diese unsere Generation nicht gut mit Uniformen konnte. Sie verkörperten alte Strukturen, in gewisser Weise auch das Establishment. Unsere Jugend fiel in die Zeit der Hippies und des Flowerpower. Englische Musik war in, egal ob die Musiker Beatles hießen, Rolling Stones, Santana, Deep Purple, Pink Floyd, Uriah Heep oder Joan Baez und Bob Dylan. Das musikalische Spektrum war weit gespannt. Neben der internationalen Hitparade von
Hallo Twen, dem SR-Jugendradio und dem dortigen Nachfolger Drugstore 1421 gab es von SWF3 den Pop Shop und die ZDF-Hitparade mit deutschen Schlagern. Gleichzeitig war es die große Zeit der Liedermacher aus deutschen Landen wie etwa Reinhard Mey oder Hannes Wader. Und immer schwang ein bisschen Protest mit, ein bisschen Widerspruch, ein bisschen Andersartigkeit. Ach ja, und ganz wichtig (!): Immer donnerstags erschien die Bravo. Angeblich las sie keiner, aber jeder war informiert über
Dr. Sommers Ratschläge. Es war die Musik, die fortan einen Großteil unseres Lebens prägte, sie gehörte bei allem Tun einfach dazu.
Im Dorf hatten wir als Angebot für die Jugend einmal die schon erwähnte CAJ mit kirchlich geprägter Gruppenarbeit und guten Diskussionsthemen, zum andern hatten wir die sportlichen Möglichkeiten beim TUS und wir hatten politische Themen bei der Jungen Union und den Jusos, aber eben keinen Treffpunkt, wo wir all diese Dinge jugendgerecht vereinen konnten. Dafür richteten wir den Jugendclub KLA-DA-RA-DATSCH als festen Ankerpunkt ein. Hier konnten wir unsere Ideen verwirklichen, konnten uns austauschen, konnten einfach mal chillen und abhängen, wie man heute sagt, und unsere Freizeit nach unseren Wünschen gestalten.
Die Pfarrgemeinde mit dem damaligen Pfarrer Herbert Stern und dem damaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden, Schullehrer Udo Wahl, ermöglichten uns die Nutzung des Kellers unter dem Altarraum der Mauritiuskirche. Für lange acht Jahre war der Ormesheimer Kirchenkeller in aller Jugendlicher Munde. Er war das Facebook, das soziale Netzwerk, nicht der Antike, so doch der damaligen analogen Welt. Die Clubler und die Besucher rekrutierten sich aus allen gesellschaftlichen und sozialen Schichten: Lehrlinge, Schüler, Studenten. Wir brauchten schließlich Handwerker genauso, wie Verwaltungs- und Kaufleute.
Neben den wöchentlichen Clubabenden mit Musik organisierten wir Pfingstzeltlager, Jugendfestivals, Diskussionsabende, Fußball-, Volleyball-, Tischtennisturniere, Filmabende und gestalteten Jugendmessen. Wir betätigten uns als Zeitungsmacher und Konzertveranstalter. Im Grunde war uns nichts heilig. Es ging uns darum, eine aktive, eine erlebnisreiche, eine informative Zeit für die Dorfjugend, für uns selbst zu gestalten. Die Begeisterung für den Jugendclub schwirrte permanent in unseren Köpfen, mancher vergaß sogar die Schule dabei. Die Kreativität kannte keine Grenzen, heute würde man sagen: Das Clubteam, das waren Macher. Wir knüpften dörfliche, regionale und überregionale Kontakte, von denen wir teilweise noch heute profitieren und manche immer noch pflegen.
Letztlich führten diese Kontakte in die Erwachsenenwelt und damit zu den neuen, heute noch gute Dienste leistenden Räumen im Untergeschoß des Dorfgemeinschaftshauses. Wir waren nach acht Jahren Kirchenkeller flügge geworden. Für die schwierigen Verhältnisse, z.B. fehlende Toiletten und die räumliche Enge hatte die Gemeinde Mandelbachtal insbesondere in der Person des ersten Bürgermeisters Theo Carlen – übrigens ein persönliches Vorbild von mir – ein offenes Ohr für unsere Belange. Die neuen Clubräume wurden im November 1980 eingeweiht und nun zur Heimstatt von Ormesheimer Jugendlichen über 30 Jahre hinweg. Sie boten uns noch mehr Möglichkeiten als vorher. Der Jugendclub musste sich dann als eingetragener Verein organisieren, ich wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Schmankerl am Rande: Gleichzeitig war ich der erste Gastwirt des JC und als ich 1981 in der Mitgliederversammlung das Zepter weitergab, hieß es in der SZ: Pirrung aus Altersgründen ausgeschieden – da war ich gerade mal 26. Ihr seht Alter ist relativ.
In diesem ersten Jahr brachten wir es fertig umgerechnet an 240 von 360 Tagen „Veranstaltungen“ zu fahren. In der Teestube, an Clubabenden und bei Konzerten über Diskussionen und Frühschichten fand das Leben statt. Den krönenden Abschluss bildeten, die von uns erfundenen und mit Leben erfüllten Mauritiustage vom 19.September bis 2. Oktober 1981 mit insgesamt 11 unterschiedlichen Veranstaltungen.
Also Jugendclub, ad multos annos, auf viele weitere Jahre, wie der Lateiner
sagt. Das wünsche ich euch von Herzen!
Knutschmarathon 1973
von Reiner Pirrung
Wo junge Leute im Teenager Alter beisammen sind, bleiben Liebschaften nicht aus. Die
Pubertierenden müssen sich ausprobieren, es wurde immer mal wieder geknutscht. Besonders häufig zwischen 14 und 20. Einige dieser Techtelmechtel aus den Anfängen des Jugendclubs führten zu längerfristigen Beziehungen, manche davon führten geradewegs zum Standesamt. Und das Schöne: Sie halten bis heute wie bei Theo und Christa, Alice und Hans-Jürgen oder Bernadette (Dörr) und Karl-Heinz (Koers). Auch Judith (Carlen-Stief) und Christian (Prof. Dr. Stief) lernten sich ausweislich ihrer Hochzeitseinladung beim Folksong-Festival 1975 kennen, kamen viel in der Welt rum, sind bis heute zusammen und leben seit vielen Jahren im Raum München. Was mir noch sehr gut in Erinnerung ist, nenne ich eine wahre Knutschorgie, einen echten Knutschmarathon im Club. Es muss in der ersten Jahreshälfte 1973 gewesen sein. Gerade hat jemand die skandalträchtige und von manchen Radiosendern nicht gespielte Single aus Frankreich zum Clubabend mitgebracht, da lag sie auch schon auf dem Plattenteller. Schließlich brauchte es auch Musik zum „Stehblues“-Tanzen!
Hervorragend eignet sich dafür von den Bee Gees „Massachusetts“ oder „Nights In White Satin“ von Moody Blues. Und eben dieser französische Schmachtfetzen von Jane Birkin und Serge Gainsbourg namens „Je t‘aime moi non plus“, wo tatsächlich für die Ohren der Erwachsenenwelt zu viel gestöhnt wurde. Also Tinder hieß in unserer Zeit Clubabend oder Plattenparty. Der Plattenteller drehte sich für damalige Verhältnisse lange 4:26 Minuten bis Jane den letzten erotischen Stöhner ins Mikrofon hauchte. Eine unserer Jüngsten im Team hatte zu diesem Schmuselied einen männlichen Gegenpart (fünf Jahre älter!) zum Küsseaustausch gewinnen können und sie hielten die Knutscherei vor staunendem internem Publikum sage und schreibe fünf dieser langen Runden durch. Knappe, aber propere zweiundzwanzigeinhalb Minuten!! Ergebnis: Taube Lippen und etwas viel Sabber um die Münder.
Dass diese Dinge nicht an den Ohren unseres „Aufsichtsrats“, den Mitgliedern des Pfarrgemeinderats inklusive Pfarrer Stern, nicht geräuschlos vorbeizogen, lag auf der Hand. Und so beschwerte sich unser kirchliches Ortsoberhaupt darüber, dass in dem Kirchenkeller zu viele Ecken wären, in denen es dunkel sei und wo die Jugendlichen näher als gebraucht zusammenrücken würden. Das war nicht die Sternstunde des eigentlichen Namensgebers, es war die Sternstunde des damaligen Pfarrgemeinderatsvorsitzenden. Udo Wahl hatte einen genialen Einfall und Schlagfertigkeit bewiesen, was das Gremium in eine gewisse Heiterkeit ausbrechen ließ. Er schlug vor, die Ecken im Kirchenkeller dann rund zu machen!! Dieser unterhaltsame und zugleich geistreiche Ausspruch wurde nun in unseren Reihen ein geflügeltes Wort und endet schließlich als Reim in der Kerweredd 1973
meines Jahrgangs.


Kuhwettmelken 1977
Zum Jugendfestival 1977 wurde das Team vom Drugstore 1421 mit Norbert Klein, Torsten Pietkiewicz und DJ Bernd Duszynski nach Ormesheim zum Kuhwettmelken eingeladen. Das Foto dokumentiert den verlorenen Melkwettstreit. Den hatte Andrea Borner (links) für den JC entschieden. Norbert Klein bekam als Trostpreis den handgefertigten „Goldenen Melkschemel“. In der Mitte Reiner Pirrung.

Foto: Osmund Borner
Immer kreativ: Plogging im JC Ormesheim 2018
Im Sommer 2018 fand in Ormesheim eine ganz besondere Veranstaltung statt, die es so wohl noch nie in einem der saarländischen Jugendtreffs gegeben hat: es wurde geploggt. Was das sein soll? Die Idee stammt wohl aus Schweden („plocka“ = aufheben auf schwedisch) und vereint Joggen und Müllsammeln, Dinge die man sonst wohl nicht gleichzeitig macht. Nach der Aktion wurde dann auf Kosten des Jugendtreffs geschwenkt und das ein oder andere Kaltgetränk getrunken. Bei dem Event ging es aber nicht nur um Müll sammeln und Sport, sondern auch um eine gute Sache. Für jeden vollen Müllsack wurden vom Jugendclub 5€ an einen Verein gespendet, der schwerstkranke Kinder unterstützt. Am Ende kamen so stolze 500€ zusammen, wow! Wir finden: ne super Idee und für das Image eines Jugendclubs goldwert!
gefunden auf der Seite des Projekts „OFFENsive!“