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Verband saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung e.V.

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Projekte im Aufschwung

Mit der Jahrtausendwende nimmt die Entwicklung des Verbandes richtig Fahrt auf. Neue Projekte entstehen, das Land gewährt eine JugendbildungsreferentInnenstelle und es gründen sich zwei neue große selbstverwaltete Jugendkulturzentren in Saarlouis und Neunkirchen. Wobei in Neunkirchen der Verband die Trägerschaft übernimmt und einen Sozialarbeiter für das Juz einstellt. Und dann kommt das Jugendamt des Regionalverbandes Saarbrücken auf die gloreiche Idee infolge von Sparmaßnahmen drei kommunale Jugendzentren in die Selbstverwaltung zu überführen. Back to the Roots also in den Juzen St.Arnual, Klarenthal und Großrosseln. Und weil Selbstverwaltung in solchen Einrichtungen nicht umsonst zu haben ist, wurde für die Begleitung ein Juz-Büro im Regionalverband personalisiert. Als Sahnehäubchen wird uns 2008 noch ein großes Projekt bewilligt. culture-united bringt interkulturellen Hip-Hop nicht nur in die Juze sondern auch zeitweise ins juz-united-Büro.

Spannende Zeiten also in den 2000ern. Die Personalentwicklung von zwei auf zehn Fachkräfte hatte auch eine Neuerung in der Verbandsorganisation zur Folge. Zum ersten Mal wurden hierarchische Strukturen eingezogen. Eine Geschäftsführung sollte von nun an Dienst- und Fachaufsicht über das aufgrund der kurzen Projektlaufzeiten doch recht wechselhafte Personal ausüben. Theo Koch, langjähriger Mitarbeiter des Verbandes wurde nun zum Geschäftsführer gekürt. Ach ja, und der Rufname des Verbandes sollt sich auch ändern. Aus dem alten VSJS wurde nun ganz hip juz-united. Dieser Verwandlung nachzuspüren wäre eine ganz eigene Geschichte wert.

Die Jugendbildungsarbeit wird hauptamtlich

Lange hatte man um diese Stelle gekämpft, Anträge geschrieben und Klinken im Ministerium geputzt. Und dann wurde es wahr. Der Zuwendungsbescheid über die Förderung einer JugendbildungsreferentInnenstelle flatterte ins Haus. Mit Christine Weisgerber, die mit einer halben Stelle bereits als Jugendpflegerin in der Gemeinde Saarwellingen arbeitete, konnte eine erfahrene Fachkraft gefunden werden. Nun wurde heftig an einem Ausbildungskonzept zum Jugendleiter/zur Jugendleiterin gewerkelt. Denn was bei anderen Jugendverbänden als zentrale Serviceleistung gilt, musste für unseren Verband erst neu entwickelt werden. Und dann auch in die Praxis umgesetzt werden. Was folgte war eine lange Geschichte meist gelungener Seminare und Workshops mit zigtausend TeilnehmerInnen aus den Juzen und Jugendtreffs.

Die ganze Geschichte der Bildungsarbeit des Verbandes könnt ihr unter dem Bildungs-Button anklicken.

Jugendzentren ins Netz

Irgendwann in den 90ern musste das Internet erfunden worden sein. Da der Verband technologisch immer schon zur Avantgarde gehörte (was waren sie stolz auf die erste elektrische Schreibmaschine, dann der Kugelkopf!, der Composer!, der erste Computer mit der Diskussion, ob man damit seine Seele schon ans Kapital verkauft …) – war natürlich klar, dass das Internet jetzt uns gehört. Und dann ging es los. Von Firmen wurden ausrangierte Rechner eingesammelt (wer erinnert sich nicht ehrfurchtsvoll an die 286er-Generation), Gelder organisiert und die ersten Jugendzentren mit Internetcafés ausgestattet. Es war eine Sensation, das Internet – jetzt auch exclusiv in Jugendzentren. Der Verband war durch diese Serviceleistung auch wieder stark nachgefragt und überall am sammeln, basteln und einrichten.

Für mehrere Jahre waren die Internetcafés der Renner in mindestens 30 Jugendzentren, die sich an dem Projekt beteiligten. Sie fungierten auch als Angebotsmagneten, die neue Generationen von Jugendlichen in die Einrichtungen spülten. Und dass bei etlichen Einweihungspartys die örtliche Prominenz gebannt auf flimmernde Bildschirme starrte, bis sich nach gefühlten Ewigkeiten ein Bild aufbaute, tat dem Renommee der Einrichtungen auch ganz gut. Man war halt mit den Internetcafés medientechnologisch ganz vorne mit dabei und konnte im Juz die weltweiten Kuriositäten des Internets erkunden – zuhause gab es sowas noch nicht, damals. 

Doch nach und nach wurden dann auch die heimischen Jugendzimmer an das WWW angeschlossen – die Kämpfe um die Internetplätze in den Juzen verloren an Intensität. Und später tauchten dann gewisse „Handys“ auf und der ganze Spuk war wieder vorbei. Aber eine zeitlang war das Internet auch ein kollektives Erlebnis, kann man sich heute nicht mehr vorstellen. 

Juz against violence

Mit dem Projekt Juz against violence wurde 2001 ein Faden aufgegriffen, der immer schon in den Verbandsgenen vorhanden war, das Engagement gegen Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus. Um diesen Bereich nochmals zu stärken, machte man sich an die Beantragung von Personalstellen. Im damaligen Antragswesen war zu lesen, dass laut Studien mehr als ein Drittel der Jugendlichen demokratiefeindliche, ausgrenzende, rassistische oder sozialdarwinistische Orientierungen vertreten. Da wartete also eine große Herausforderung auf ein kleines Projekt. Was dann aber heraus kam, kann sich sehen lassen. Antirassismusfesivals, eine Menge Workshops und Einzelveranstaltungen wurden durchgeführt und eine Tournee mit dem damals noch unbekannten Provokationskünstler Serdar Somuncu.

Juz Saarlouis und Juz Neunkirchen

Starken Aufwind für die saarländische Juz-Szene gab es durch die Initiativen von Jugendlichen in Saarlouis und Neunkirchen welche zeitgleich im Jahr 2003 mit der Forderung nach selbstverwalteten Jugendzentren starteten. Diese Stadt ist langweilig meinten die Jugendlichen in Saarlouis und das war auch das Motto ihrer Initiative und in Neunkirchen entschied man sich nach einer Anlaufphase für das entschiedenere Juz jetzt!  Beiden Initiativen gelang gegen eine zu Beginn recht kritische Kommunalpolitik ihre Forderungen durchzusetzen. Geschichten aus beiden Jugendzentren findet ihr unter dem Button „Jugendzentren“.

Juz-Büro im Regionalverband

Die enge Kooperation zwischen dem Verband und dem Jugendamt des damaligen Stadtverbandes Saarbrücken wurde schon mit dem Projekt „Jugendzentren ins Netz“ angebahnt. Dann kam eine Sparwelle auf das Jugendamt zu und die die Jugendzentren St.Arnual, Klarenthal und Großrosseln standen zur Disposition. In Kooperation mit dem Jugendamt wurden Konzepte für eine Überführung der Einrichtungen in die Selbstverwaltung erarbeitet. Die Einsicht, dass ein solches Projekt nur mit eigenen Fachkräften für die Etablierung einer Selbstverwaltungsstruktur zu stemmen ist, wurde von beiden Seiten geteilt. So kam es zur Gründung des Juz-Büros im Stadtverband, später Regionalverband Saarbrücken.

Dass die Übergänge in den drei Jugendzentren (fast) nahtlos gelang, war ein Wunder. Es wurden schnell Trägervereine gegründet und aus der bisherigen BesucherInnenschaft der Juze rekrutierte sich die erste Generation der Vereinsvorstände. Aus den vormaligen Gästen wurden jetzt die Verantwortlichen für soziale Einrichtungen. Und das in Sozialräumen, die nicht ganz unproblematisch waren. Verständlich, dass das Jugendbüro in dieser Phase rund um die Uhr gefordert war. Denn die erste Neuerung der SelbstverwalterInnen bestand natürlich in der Ausweitung der Öffnungszeiten. Verbunden mit der Erfahrung, dass die Nachbarschaft andere Hör- und Schlafgewohnheiten hat als die selbstverwaltete Partymeute. Mediation war in vielen Fällen angesagt. 

Weitere Komplikationen kamen schnell hinzu. Im Juz Großrosseln kam es zu einem Brand in dem nebenliegenden Kindergarten, von dem auch der Bereich des Jugendzentrums betroffen war. Die Einrichtungen musste kurz nach Eröffnung auch wieder für ein paar Monate schließen. In St.Arnual sah man sich innerhalb kurzer Zeit von dem Neubaugebiet Artilleriekasserne umzingelt. Wo früher Büsche vorm Juz standen, in denen man sich auch zum Gebrauch illegaler Rauschmittel traf, lag jetzt eine aufmerksame Nachbarschaft auf den Balkonen. Mit den Partys war nach einem Nachbarschaftsaufstand dann auch schnell schluss.

 

 

 

Fresh-TV

„Sei dein eigener Star! Du siehst dich schon seit langem in Hollywood und wartest nur darauf entdeckt zu werden? Du wolltest der Welt immer schon etwas ganz wichtiges mitteilen? Das Drehen von Filmen liegt dir quasi im Blut, nur – dir fehlt die Kamera? Dann bist du bei Fresh-TV genau richtig, dem neuen Projekt von juz-united. Wir drehen mit Euch Videos rund um Eure Themen, im Juz und drumherum. Und das Ganze wird dann online in einem neuen Filmportal präsentiert. Technik und alles drum und dran kommt von uns, wir kommen vorbei und machen Dich berühmt. Interesse? Einfach bei uns Bescheid sagen, und dann sind wir ab von der Rolle.“ So wurde ein Projekt angekündigt, das dann richtig abging. Selbermachen ist ja Verbandsdevise, warum nicht auch Fernsehen? Zumindest im Internet. Aus dieser Idee entstanden dann 42 Sendungen, die sich sehen lassen können. Plötzlich waren bei vielen Events junge Menschen mit einer Kamera unterwegs und filmten was das Zeug hielt. Die Einzelbeiträge wurden dann zu einer Sendung zusammengeschnitten und gekonnt moderiert von Cathie, dem Gesicht des Formats.

Hier z.B.:

Volle Peilung

Dem Jugendalter ist eine zentrale Entwicklungsaufgabe eingeschrieben: Der Umgang mit den gesellschaftlich etablierten oder verbreiteten Drogen muss gelernt und bewältigt werden. Oft wird innerhalb der Familienbande schon mal geübt, dann kommen die Dorf- oder Stadtfeste und dann auch die Orte, an denen Jugendliche sich zentral versammeln, die Jugendzentren und Treffs. Dass die Bewältigung der Entwicklungsaufgabe zusammengeht mit einem in diesem Stadium noch unausgereiften Gespühr für eigene Grenzen und einem internalisierten Experimentier- und Entdeckungsdrang, macht die Sache nicht einfacher.

„Haschhöhlen“ oder ähnliches war zu Beginn der Juz-Bewegung eine häufig anzutreffende Bezeichnung von Erwachsenen für die Jugendeinrichtungen und ein Grund für diverse Konflikte bis hin zu Schließungen. In dieser Zeit wurde aber auch noch ganz offiziell heftig geraucht, was heute fast unvorstellbar ist. Und wie mit der gesellschaftlich fest kodifizierten Alkoholkultur umgehen? Ist Integrationsarbeit hier die richtige Lösung? Und überhaupt, war man angesichts der aktuelle Debatte um die Entkriminalisierung von Cannabisprodukten nicht damals einfach schon seiner Zeit voraus?

Klar, dass sich der Verband all diesen Fragen und Herausforderungen seit Beginn stellen muss. Dies geschah über lange Zeit ehrenamtlich und ohnehin informell in den Jugendzentren und Jugendtreffs. Im Jahr 2006 wurde dann das Konzept „Volle Peilung“ vom Land unterstützt und die Suchtprävention des Verbandes wurde personalisiert.

Seither ist die Thematik des Umgangs mit Drogen nicht nur fester Bestandteil der Jugendleiterausbildung des Verbandes sondern immer wieder eine Herausforderung an die Methodenkreativität der Fachkräfte. Der üblicherweise erhobene Zeigefinger verbietet sich in den selbstverwalteten Jugendzentren und Jugendtreffs. Allein schon, weil die Fachkräfte nicht als moralische Instanz wahrgenommen werden wollen, die es besser wissen. Also wurde über die Jahre immer wieder neu experimentiert, wie ein reflektierter Umgang mit Drogen aussehen könnte. Ein Ergebnis ist die alkoholfreie Cocktailbar, über die der SR hier berichtet.

culture-united

Jugendliche mit Migrationsgeschichte sind in den selbstverwalteten Jugendzentren im Regionalverband deutlich unterrepräsentiert. Dies ergab eine Befragung der Juz-Vorstände Ende 2008. Also wurde ein Projekt konzipiert, das diese Jugendliche gezielt anspricht. Methodisch wurde dabei auf die Jugendkulturarbeit, hier Hip-Hop, gesetzt. Vor dem Hintergrund der Entstehung der Hip-Hop Kultur als Kultur ethnischer Minderheiten hat diese eine starke Verankerung und eine große Ausstrahlungskraft bei
Einwandererjugendlichen. Das wurde genutzt um mit Angeboten von regelmäßigen Rap- und DJ-Workshops, von Breakdance-Kursen, Hip-Hop Konzerten, der Initiierung von Hip-Hop-Crews und weiteren Angeboten die Jugendlichen anzusprechen. Mit dem Projekt wurden Jugendliche mit Migrationsgeschichte gezielt als „Experten“ ihrer Jugendkultur angesprochen und ihnen in den Jugendzentren Raum zum Ausleben geboten.

Der SR berichtet 2002 über die Mitgliederversammlung im Juz Nalbach

Räume für Jugendliche - der Film

Ein toller Film über die saarländische Juz-Szene aus dem Jahr 2006. Bitte draufklicken

Mit: Helmut Bieg, Theo Koch, Annegret Kramp-Karrenbauer, BM Rainer Ziebold, BM Stefan Strichertz, einem Filmschatz aus den 70ern und div. LaiendarstellerInnen ; 

Ein Artikel in der Fachzeitschrift OFFENE JUGENDARBEIT wirft 2005 ein Schlaglicht auf die Juz-Szene im Saarland.

Fresh-TV

Der Verband macht eigenes Fernsehen.

Sido sorgte mit 7300 Aufrufen für den Rekord.

die Nr. 42 war dann die letzte Ausgabe. Schade.

Die Playlist der Sendungen 21 – 42 könnt ihr euch hier anschauen.

Die alkoholfreie Cocktailbar „shake&fun“ wird im Aktuellen Bericht vorgestellt.